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Aktuelle News Videoüberwachung und Videokonferenz

05.02.2010
Das elektronische Auge des Gesetzes


Sportlich gesehen war das DFB-Pokalspiel, das Anfang August 2009 im Frankenstadion Heilbronn stattfand, ein Treffen zwischen David und Goliath. Die Auslosung hatte dafür gesorgt, dass sich die SG Sonnenhof Großaspach mit dem erstklassigen VfB Stuttgart messen musste. Da der schwäbische Viertligist aus der Nähe von Backnang wie immer in solchen Fällen Heimrecht genoss, das neue vereinseigene Stadion in Aspach sich jedoch noch in Planung befindet, wurde das Spiel im 40 Kilometer entfernten Heilbronn ausgetragen, wo an diesem Nachmittag etwa 14.000 Fußballfans für eine fast volles Haus und eine hervorragende Kulisse sorgten.

Für die Firma vi2vi GmbH stellte das Pokalspiel eine echte Herausforderung dar. Das auf moderne Videotechnik spezialisierte Unternehmen aus Malsch (Landkreis Karlsruhe) musste entsprechend den Vorgaben des DFB und den Wünschen der Heilbronner Polizeiführung innerhalb weniger Stunden die Infrastruktur für eine mobile Videoüberwachung aufbauen. Sie sollte es der Einsatzleitung im Frankenstadion und gleichzeitig den Kollegen im Lagezentrum, das im Gebäude der Heilbronner Polizeidirektion in der Karlstraße eingerichtet war, erleichtern, die Lage im Stadion sowie im Außenbereich und auf dem Bahnhofsgelände präzise zu beurteilen. Außerdem sollten im Falle von gewaltsamen Fanausschreitungen die Einsatzkräfte zeitnah und effektiv an die richtigen Stellen herangeführt werden. Die eingesetzten Kameras sollten außerdem dazu dienen, im Bedarfsfall hochwertige Bilder von möglichen Rädelsführern und damit verwertbare Beweise zu liefern. Diese können z.B. als Grundlage zur Verhängung von Stadionverboten herangezogen werden.

Der Leiter des Polizeieinsatzes, Polizeioberrat Thomas Nürnberger, sagte, üblicherweise kämen zu den Regionalligaspielen des VfR Heilbronn 1.000 bis 2.000 Fußballfans Eine feste Videoüberwachungstechnik gebe es im Frankenstadion nicht. Für die Erkennung von Störern und zur möglichen Beweissicherung würden wie andernorts auch Videokameras eingesetzt, die von Kollegen „aus der Hand“ bedient werden. Der nachträgliche Einbau eines Videoüberwachungssystems scheitere heutzutage meist an der angespannten Haushaltslage der Kommunen, so Nürnberger. Bei einem Stadionneubau, der einen stattlichen zweistelligen Millionenbetrag koste, falle der Posten Videoüberwachungstechnik mit mehreren zehntausend Euro jedoch kaum ins Gewicht.

Erfahren hatten die Heilbronner Kollegen vom Know-How und der Leistungsfähigkeit der Firma vi2vi GmbH durch einen persönlichen Kontakt zur Polizei in Karlsruhe. Hier sind die Malscher Videoüberwachungsspezialisten seit Sommer 2007 Technikpartner des Zweitligisten KSC und unterstützen die Karlsruher Polizei bei Heimspielen im Wildparkstadion durch mehrere Netzwerkkameras, die ihre Bildsignale über WLAN übertragen. Die Bilder werden im Lagezentrum im Inneren der Sportarena von der Einsatzleitung der Polizei ausgewertet. Bereits mehrfach konnten damit durch das schnelle Zusammenziehen von Einsatzkräften an neuralgischen Punkten drohende Fanausschreitungen im Keim erstickt werden. Nach den DFB-Richtlinien sind Video-Kameras mit Zoom-Einrichtung so zu installieren dass sie im Stadion-Innenraum den Blick auf die Zuschauerwege und Zuschauerplätze ermöglichen sowie im Außenbereich vor den Eingängen. Sie müssen in die Leitstelle der Polizei Bilder liefern und über eine Standbildfunktion auch die Identifikation von Personen ermöglichen.

Für das Pokalspiel in Heilbronn waren die Vorgaben umfangreicher. Steuerbare Kameras an drei verschiedenen Standorten (Bahnhof, Außenbereich Stadion, Innenbereich Stadion) sollten permanent Live-Bilder an zwei verschiedene Empfangsorte (Leitstelle im Stadion, Lagezentrum in der Polizeidirektion) liefern. Hauptstandort war dabei die Leitstelle im Stadion. Hier wurden die Bilder zum Zweck einer möglichen späteren Auswertung auf einem Datenserver aufgezeichnet. Da es zwischen dem Stadion und dem Bahnhof keine direkte Sichtverbindung gab, musste auf dem Atmel-Gebäude in der Theresienstraße eine Art Relaisstation eingerichtet werden. Insgesamt wurden vier Funkstrecken zwischen 153 und 2047 Metern Länge zur Datenübertragung nach dem WLAN-Standard IEEE802.11a eingerichtet. Die benötigten Bandbreiten inklusive einer rechnerischen Schlechtwetterreserve lag zwischen 4,6 und 18,4 MBit/s. Übertragen wurde, um Störungen anderer WLAN-Strecken zu vermeiden, auf spezifischen Landeskanälen im Frequenzband 5250-5875 MHz. Diese Maßnahme stellte sich als sehr sinnvoll heraus, denn es wurden keine durch die Signalübertragung verursachten Störungen bekannt.

Das Resümee von Einsatzleiter Thomas Nürnberger zum Ablauf des Pokalspiels (das übrigens der VfB Stuttgart mit 4:1 für sich entschied) aus polizeilicher Sicht fiel dementsprechend positiv aus. Die technische Ausstattung, die die Firma vi2vi GmbH zur Verfügung stellte, erwies sich als absolut tauglich für ein solches Großereignis. Das gelte, so Nürnberger, sowohl in puncto Bedienbarkeit und Zuverlässigkeit als auch mit Blick auf die technischen Möglichkeiten. Es habe allerdings vor und während des Pokalspiels zum Glück auch keine wirklich problematischen Situationen gegeben. Wenn, wie vor Anpfiff geschehen, im Stadion Feuerwerkskörper mit starker Rauchentwicklung abgeschossen werden, dann komme, räumt Nürnberger ein, allerdings auch die Videoüberwachung an ihre Grenzen. Hier kann sie, ebenso wie beim Aufhängen von großflächigen Zaunbannern oder bei personellen „Verdichtungen“ in Fanblocks, nur in einem ganzen Bündel von Maßnahmen wirken. Dazu gehören u.a. der ständige Informationsaustausch zwischen den jeweiligen Fanprojekten und eine enge Kooperation zwischen den „szenekundigen“ Polizeibeamten vor Ort.

Auch vi2vi-Geschäftsführer Mathias Bechler zeigte sich mit dem Ergebnis des Heilbronner Videoüberwachungsprojektes sehr zufrieden. Mit den steuerbaren Kameras vom Typ Axis 215 PTZ bzw. 233 PTZ, der Standard-Software SeeTec zur Verwaltung und Archivierung der Kameradaten sowie der Steuerung und Liveübertragung der Kameras konnten er und seine Kollegen die Vorgaben des DFB problemlos erfüllen und den Kollegen von der Polizeidirektion Heilbronn einen ruhigen Nachmittag bescheren. Aufnahmen von so genannten Fans, die während des Spiels Feuerzeuge und ähnliche Gegenstände auf die Tartanbahn warfen, hätten im Bedarfsfall wichtige Beweismittel geliefert.

Die Firma vi2vi GmbH, 2002 von den jetzigen Geschäftsführern Diplom-Ingenieur Thomas Kunz und Diplom-Betriebswirt Mathias Bechler sowie zwei weiteren Partnern als Start-Up-Unternehmen gegründet, hat sich in den letzten Jahren auf dem Markt anspruchsvoller, individuell auf die Bedürfnisse seiner Kunden zugeschnittener Videoüberwachungslösungen national und international einen Namen gemacht. Videoüberwachungssysteme kommen bei Großveranstaltungen ebenso zum Einsatz wie bei der Überwachung großflächiger Produktionsstätten, im Logistikbereich oder im Tunnelbau.

Mit rund 40 Mannstunden für den Auf- und Abbau sowie das Einrichten der Kameras und der Miete für die Systemkomponenten, so rechnete Mathias Bechler zusammen, kostete die Infrastruktur für die Videoüberwachung in Heilbronn rund 16.000 Euro. Das macht das mobile System als „elektronisches Auge“ kostenmäßig und vom Handling her überall dort interessant, wo keine feste Videoüberwachung installiert ist. Hochkarätige Sportveranstaltungen gehören ebenso dazu wie größere Hilfs- oder Katastropheneinsätze. Auch die Unterbrechung der stationären Videoüberwachung, z.B. während des Umbaus in einer Justizvollzugsanstalt, wäre ein denkbarer Anwendungsfall. Nach den positiven Erfahrungen in Heilbronn und den Gesprächen mit Einsatzleiter Thomas Nürnberger und seinen Kollegen kann sich vi2vi-Geschäftsführer (und Fußballfan) Mathias Bechler auch vorstellen, dass mehrere Polizeidirektionen gemeinsam ein mobiles Videoüberwachungssystem aus dem Hause vi2vi anschaffen und je nach Bedarf einsetzen. Vielleicht steht beim nächsten Mal ja statt eines Pokalspiels das nächste Open-Air-Konzert der Rolling Stones auf dem Programm...


 

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